… ist Matthias Rieger, um die Seafarers´ Lounges in den Kreuzfahrtterminals zu unterstützen. Der Chef des Netzwerks Cruise Net kam zum Kamingespräch mit Sacha Rougier, Chefin Cruise Gate Hamburg.

Um im Bild zu bleiben: Auf der „Brücke“ des Hamburger Kreuzfahrt-Standortes schauen zwei Manager nach vorn: Sacha Rougier, Chefin der städtischen Cruise Gate Hamburg GmbH sowie Matthias Rieger, „Hamburger Jung“ und Geschäftsführer des Kreuzfahrtnetzwerks Cruise Net Hamburg. Und für beide Kreuzfahrt-Profis gab es im Oktober eine Top-Destination: Den International Seaman´s Club DUCKDALBEN. Hier wollten sie sich über die Seafarers´ Lounges, die „Außenstellen“ der Seemannsmissionen in den Kreuzfahrtterminals, informieren. Für Sacha Rougier war es ein déjà vu. Sie war schon einmal im Club. Und auch für Matthias Rieger war es nicht das erste Mal. Er war schon einmal - eher privat - bei der Hafenrundfahrt „Auge in Auge mit den Giganten“ des Busunternehmens Jaspers im Club. Dieses Mal kam er offiziell, als oberster Netzwerker der Hamburger Kreuzfahrtbranche, als Chef von Cruise Net Hamburg e.V. Und er sagte: „ Chapeau. Toll was Sie machen. Wir unterstützen das.“


Die Seafarers´ Lounges

Zuvor hatten Markus Wichmann und Olaf Schröder Revue passieren lassen, was seit 2010 passiert ist. Damals wurden die erste Lounge als Gemeinschaftsprojekt der Seemannsmissionen Hamburg-Altona und Hamburg-Harburg sowie der Deutschen Seemannsmission in Hamburg e.V. gegründet, um auch
speziell den Crews der Kreuzfahrtschiffe eine Anlaufstelle einzurichten. Inzwischen reihen sich drei Seafarers’ Lounges wie Perlen entlang der „Schnur“ Elbe: An den Kreuzfahrtterminals in Altona, Hamburg-Steinwerder und in der Hafen-City. Derzeit wird das Café in der Seemannsmission Altona umgerüstet. Hier helfen Spenden, um verschließbare Schränke und ein Kassensystem anzuschaffen. Der Bedarf ist da, weil die Zahl der Schiffs-Anläufe wächst. 2015 gab es in Hamburg 160 Anläufe mit 525.000 Passagieren, 2017 waren es 197 und 810.000 Passagiere. Für 2018 erwartet Sacha Rougier bei 220 Anläufen erneut zehn Prozent mehr Passagiere, verriet sie im Club. Dabei sind neue Aida-Schiffe wie die "Aidanova", die neue "Mein Schiff 1" oder die "MSC Meraviglia" mit 6000 Passagieren.


Der Kreuzfahrtstandort Hamburg

Der Erfolg hat viele Väter (und vor allem eine Mutter). Aber Sacha Rougier weiß auch, dass ohne Reeder nichts geht: „Ohne Reeder keine Schiffe. Die Reeder sind sowohl Partner als auch Kunden. Als Partner kümmern wir uns gemeinsam um die Passagiere. Als Kunden können sie die Reeder davon überzeugen, dass Hamburg eine Top-Destination sei. Zur Top-Destination steuern die Lounges ihren Teil bei. Sacha Rougier: „Es war klar, dass wir in dem neuen Terminal sofort Platz abgegeben haben, um die Lounges zu unterstützen“. Wenn es um Seafarers’ dignity für Kreuzfahrt-Crews geht, ist schnelle und unkomplizierte Hilfe so wichtig wie finanzielle.
2014 zählten die damals erst zwei Lounges 15.000 Besucher. Heute sind es über 30.000 Männer und Frauen der Kreuzfahrtschiffe, die in den Lounges ihren Ruhepol finden – und ihre seafarers´dignity. Das heißt konkret: Die Lounges sind Oasen, wo die Mannschaften einmal Gast sind, ausruhen, Dinge für den täglichen Bedarf kaufen, günstige Telefonkarten für Smartphones, Hygieneartikel und Süßigkeiten. Fünf Tonnen Schokolade gingen 2017 über die Lounge-Tresen.
Gegen Heimweh helfen Chips aus Schweinekrusten oder Instantsuppen. Oder die Crews nutzen Gratis-Wi-Fi, um ihre Familien in der Heimat zumindest digital zu treffen. Sie schätzen daher eine schnelle, preiswerte Internetverbindung: die auf den Schiffen meist für Crews unbezahlbar sind. Braucht ein Besatzungsmitglied Rat, Zuspruch oder medizinische Hilfe, stehen ihnen Mitarbeiter zur Seite.


Die Wertschöpfung

Da fragt Matthias Rieger. „Wie machen die Reeder mit?“ Dazu berichtet Markus Wichmann vom Meinungswandel. Früher waren Reeder der Meinung, die Crews fänden schon alles was sie brauchen auf dem Schiff. Heute, so Wichmann, sieht das anders aus. Auch auf den Kreuzfahrtschiffen verbreitet sich die Manager-Weisheit: Unternehmen, die ihr Personal glücklich machen, haben handfeste Vorteile. Mitarbeiter schätzen vor allem Fairness und Respekt. Auch Reeder sind Manager. Sie wissen, was die Lounges wert sind. „Wir freuen uns, wenn sich das auch in einer Unterstützung niederschlägt", sagt Arne Wesseloh, Vorstand der Seemannsmission. Denn: Die Lounges tragen ihren Teil dazu bei, dass der Kreuzfahrt-Standort Hamburg in den Augen der Crews einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen hat. Das überzeugte Matthias Rieger: „Ich bin zu allen Schandtaten bereit, die Lounges zu unterstützen.“ Er machte sofort einen Haken unter eine Idee: In Kürze werden Mitarbeiter/Innen des Cruise Net ein Praktikum in den Lounges machen. Und Matthias Rieger wird Strippen ziehen für die Lounge: Die Lounges sollen im Netzwerk bekannt werden wie der Michel in Hamburg.


Das Cruise Net

Hamburg hat die „Kreuzschifffahrtsinitiative ins Leben gerufen, um regionale Unternehmen zu unterstützen und Hamburg als Kreuzfahrtstandort zu stärken. Im Cruise Net vernetzt sind derzeit rund 125 Mitglieder, „die entlang der Wertschöpfungskette Kreuzfahrt angesiedelt sind. Denn die Umsätze im Kreuzfahrtgeschäft schlagen Wellen bis an Land. Matthias Rieger will daher eine aktuelle „Untersuchung zur Wertschöpfung des Kreuzfahrtsegmentes in Hamburg“ vorlegen. Schon die Zahlen 2015 waren beeindruckend: Die lokale Wertschöpfung durch das Kreuzfahrtgeschäft erreichte ca. 420 Mio. Euro.


Test und Bild: Hergen Riedel
Bericht von Olaf - 08.12.17