Seit Anfang Mai dieses Jahres hängt sie in der großen Eingangshalle des DUCKDALBENs – die Schiffsglocke der MS Helgoland. Das Schiff wurde 1963 für die Reederei HADAG bei der Werft Howaldtswerke Hamburg gebaut (Länge: 91,52 m lang, Breite: 14,53 m). Es wird zunächst als Seebäderschiff auf der Linie Cuxhaven- Helgoland eingesetzt.
Ende 1965 beschließt die Bundesregierung, der Forderung der Amerikaner nach Unterstützung im Vietnamkrieg mit humanitärer Hilfe statt eines militärischen Einsatzes nachzukommen. So kommt es, dass die Helgoland an das Deutsche Rote Kreuz verchartert und mit großem Aufwand zum Hospitalschiff mit über 150 Betten zur stationären Versorgung umgebaut wird.
Als „Zivilkrankenhaus“ liegt die Helgoland vom 3. Oktober 1966 bis zum 12. September 1967 in Saigon, anschließend wird sie nach Da Nang verlegt. Im Januar 1972 wird die Helgoland dort an Land durch das neue Malteser-Krankenhaus ersetzt. Die medizinische Ausstattung wird an vietnamesische Krankenhäuser gegeben.
Nach ihrer Rückkehr in die Heimat wird die Helgoland von der HADAG an die STENA-Reederei verkauft. Erneut wird sie umgebaut und in Stena Finlandica umbenannt. Ihre Glocke soll wegen des neuen Namens eingeschmolzen werden. Das aber weiß der „Blitz“ zu verhindern. („Blitz“ war auf vielen Schiffen der Spitzname für den Bordelektriker.) Er war viele Jahre auf fast allen Weltmeeren zur See gefahren, als er vom Einsatz der MS Helgoland in Vietnam hört. Diese Aufgabe reizt ihn, er bewirbt sich, bekommt die Stellung an Bord und fühlt sich sofort mit dem Schiff eng verbunden. Kurz entschlos- sen „rettet“ er nach Ende des Einsatzes die Glocke. Er nimmt sie in seine Obhut und hegt und poliert sie, so dass sie immer wie am ersten Tag glänzt. Nach seinem Tod geht die Glocke an seinen langjährigen Freund Wilfried Arriens. Dieser übergibt die Glocke bei einem seiner regelmäßigen ehrenamtlichen Einsätze an den DUCKDALBEN. Hier findet die Glocke nun einen neuen, ehrenvollen Platz.
Was aber ist aus der Helgoland geworden? Eine deutsche Urlauberin entdeckt 2008 bei einer Rundreise zwischen den Galapagos Inseln an Bord des Forschungs- und Kreuzfahrtschiffes Galapagos Legend einen Rettungsring mit der Aufschrift „MS Helgoland“. Sie traut ihren Augen nicht, denn sie hatte als Schülerin eine Fahrt mit der MS Helgoland gemacht. Sie findet heraus, dass es sich nachweislich tatsächlich um dasselbe Schiff handelt, das übrigens auch heute noch im Einsatz ist! 54 Jahre mit mehrfachen Umbenennungen, Umbauten, Vercharterungen und Verkäufen liegen zwischen dem Stapellauf der MS Helgoland, den Einsätzen als Seebäder-, Hospital-, Linien- und Butterschiff und der heutigen Galapagos Legend. Welch bewegte Vergangenheit!

Kleine Info für „Landratten“:
Früher wurden mit den Schiffsglocken nicht nur halbstündig die Zeit und der Rhythmus der Wachen angegeben, sondern auch Warnsignale gesendet. Auch heute noch ist es Vorschrift, dass auf Schiffen mit einer Gesamtlänge über 20 m mindestens eine Glocke vorhanden sein muss, um bei Stromausfall vor möglichen Gefahren zu warnen. Dabei sind Platzierung, Größe und Lautstärke der Glocken fest geregelt. Auch bei einer Bestattung auf See wird die Schiffsglocke geschlagen.

Geschrieben von Bärbel mit Material und Informationen von Wilfried
Bericht von Olaf - 09.03.18