Wenn man die große Eingangshalle des DUCKDALBENs betritt, gibt es so viel zu sehen, dass man meist zunächst gar keine Einzelheiten wahrnimmt. Man muss schon fast den Kopf verrenken, um an der hohen Wand ziemlich weit oben diese chinesische Kalligraphie zu entdecken. Ihre vier Schriftzeichen sind jedoch so klar zu erkennen, dass sie auch von unten sofort von chinesischen Seeleuten im Club übersetzt werden konnten:

l ó n g - Drachen
f ē i - fliegen
f è n g - Phönixe
w ǔ - tanzen

Aber welche Aussage steht hinter diesen vier Schriftzeichen? Für mich ergaben sie als Satz keinen Sinn, bis ich Folgendes erfuhr: Sie gehen zurück auf Worte von Su Shi, einem chinesischen Dichter, Maler, Kalligraphen und Politiker, der 1037 bis 1101 lebte. Aus einer seiner Schriften stammt diese Szene: Der Tiao Fluss kommt aus dem Berg Tianmu. Drachen fliegen und
Phönixe tanzen und sie versammeln sich alle an einem Ort. Welche ungeheure Bewegung steckt in diesem Bild aus wenigen Worten! Zwischen Himmel und Erde nichts als Wirbeln, Kreisen, Drehen, Flattern, Schweben, Auf- und Niedersteigen. Man meint förmlich das Brausen in der Luft zu hören.
So eindrucksvoll ist diese Szene beschrieben, dass sie sich im Sprachgebrauch der Chinesen fest verankert hat und schließlich zu einer Redewendung wurde, die auch heute noch – nach fast 1000 Jahren – gebräuchlich ist. Long fei feng wu wird benutzt, wenn zum Beispiel eine Haltung kühn, mutig oder gewagt ist. Oder wenn eine Handlung voller Schwung vollzogen wird. Dies gilt auch beim Anfertigen einer Kalligraphie für die schwungvolle Bewegung und die kunstvolle Pinselführung. Wird eine Kalligraphie mit diesen Schriftzeichen verschenkt, so ist es eine Geste, mit der Dankbarkeit und Verbundenheit ausgedrückt werden.

Links am Bildrand ist neben den vier großen Schriftzeichen ein feiner Schriftzug zu erkennen. Dort steht übersetzt: Die gesamte Mannschaft des Schiffes Guang Yun Taolin bedankt sich ganz herzlich bei dem Seemannsclub für die warmherzige Bewirtung zum Frühlingsfest 1991 – Buojun

Nachdem ich den Sinn der vier Schriftzeichen verstanden und sogar erfahren hatte, wann und von wem der DUCKDALBEN diesen „Schatz“ geschenkt bekam, habe ich mit großer Freude und long fei feng wu alles dies zu Papier gebracht.
Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass im DUCKDALBEN sogar ein Foto der Guang Yun Taolin und ihrer Mannschaft vorhanden ist. Es wurde vor Schuppen 70 aufgenommen und hängt in der Eingangshalle links von der großen Vitrine.

Geschrieben von Bärbel mit herzlichen Dank an Jacob für die Hilfe beim Fotografieren, Jan O., an drei Chinesen mit Kunstverstand, an Pan Wei/CF Crystal und Ni Shaofeng/Uni Hamburg für Übersetzung, Tipps und klärende Gespräche
Bericht von Olaf - 09.03.18