Unbemerkt und ziemlich ver-staubt hingen zwei ineinander verschlungene Ketten seit vielen Jahren im DUCKDALBEN oben an der Schmalseite des Tresens. Unbemerkt jedenfalls, bis sie beim Frühjahrsputz dieses Jahres von unserem „Bufti“ Joshua nicht nur entdeckt, sondern auch geputzt und zum Glänzen gebracht wurden. Was waren das für Ketten? Ich wusste keine Antwort auf Joshuas Fragen, woher sie stammten und wozu sie dienten. Er vermutete selbst, es könnten vielleicht Gebetsketten sein. Damit hatte er auf Anhieb ins
Schwarze getroffen.
Beide Ketten bestehen aus blauen Perlen, mit kleineren, goldenen Perlen dazwischen. Die Zahl der blauen Perlen, jeweils dreiunddreißig, weist darauf hin, dass es Gebetsketten sind, wie sie im Islam benutzt werden. Muslime halten die Kette (Misbaha) in den Händen, lassen die Perlen zwischen den Fingern gleiten und sprechen dabei Lobpreisungen oder Namen Allahs oder Gebetsformeln. Anhand der Perlen können die sich wiederholenden Gebetsformeln abgezählt werden. Das kann z. B. beim Abschluss eines Gebetes sein, wenn folgende drei Formeln jeweils 33mal gesprochen werden:
➢ Allah sei gepriesen für seine Werke und sein Tun
➢ Allah sei Dank
➢ Allahs Allwissenheit, Mächtigkeit und Gerechtigkeit sei bezeugt
Ebenso hilft die Misbaha beim Aufzählen der 99 Namen Allahs. Auf die Perlen der größeren Kette sind mit Gold und Rostrot kleine Muster gemalt, die an arabische Schriftzei-
chen erinnern.
Am Ende der kleineren Kette befindet sich eine kleine, runde Metallplatte, in die arabische
Buchstaben eingeprägt sind. Sie bedeuten Misr oder Masr, den arabischen Eigennamen Ägyptens. Dies erfuhr ich von Mohamed Aboul Kassem, einem ägyptischen Seemann, der gerade im DUCKDALBEN war. So löste sich die Frage nach der Herkunft der Kette. Er erwähnte auch, dass größere Ketten, so wie unsere, als Glücksbringer an die Wand gehängt würden. Als solche sind beide Ketten frisch glänzend nun wieder an ihren alten Platz zurückgekehrt.

Geschrieben von Bärbel unter der Mithilfe von Joshua und Mohamed About Kassern
Bericht von Olaf - 09.03.18