31. Januar 2017: Zwei Seeleute aus Südkorea vom Tanker Silver Carla sind zu Gast im DUCKDALBEN. Sie sind begeistert vom Raum der Stille, weil es dort auch für sie als Buddhisten einen Platz zur Andacht gibt, und staunen über die reiche Ausstattung. Mehrmals versichern sie uns, sie hätten etwas an Bord, das gut dorthin passen würde, weil es besonders für die koreanischen Buddhisten bedeutsam sei. Als sie später mit unserem Shuttlebus zu ihrem Schiff am Vopak Terminal zurückgebracht werden, warten wir, bis sie mit dem angekündigten „Schatz“ zurückkommen. Feierlich überreichen sie uns ein Tuch, auf das zehn Weisheiten Buddhas gedruckt sind. Es stammt aus Beobjusa, einem sehr alten Kloster in den Bergen. Leider reicht die Zeit nicht aus, noch mehr darüber zu erfahren.

Oben auf dem Tuch fällt die Lotusblüte auf. In der Natur wächst die Pflanze aus schlammigem Grund hoch über die Wasseroberfläche hinaus. Ihre Blüte stößt Schmutz und Wasser ab. Deshalb steht sie u.a. für Reinheit und Vollkommenheit und wurde auch Symbol für den Buddhismus. Die Figur in der Mitte findet sich häufig als Verzierung in Texten des koreanischen Buddhismus. Wie aber lauten die zehn Weisheiten?
Der historische Buddha lebte um 500 v. Chr. in Nordindien. Seine Lehre breitete sich über China auch nach Korea aus. Entsprechend unterlagen die Texte im Lauf der Zeit verschiedensten Einflüssen. Eine deutsche Übersetzung des Textes fand sich nicht. Aber ich erhielt das Angebot, den Text im Rahmen eines Seminars im Sommersemester 2017 von Studierenden der Universität Hamburg ins Deutsche übersetzen zu lassen. Das waren aufregende Stunden. Ich erlebte mit, welche Probleme dieser Text birgt, welch vielfältige Interpretationen möglich sind und wie um jede Formulierung gerungen wurde. Hier drei der zehn Weisheiten:

-> Buddha hat gelehrt: Hoffe nicht, dass du auf deinem Weg frei sein wirst von Versuchungen. Denn dann würde dein Wille nicht standhaft werden. Deshalb betrachte alle bösen Kräfte als Freunde, die dir auf deinem Weg helfen.
-> Buddha hat gelehrt: Hoffe nicht, dass andere dir gehorchen. Denn dann würde dein Herz überheblich. Deshalb betrachte Menschen mit anderen Vorstellungen als Helfer auf deinem Weg.
-> Buddha hat gelehrt: Hoffe nicht, dass du für gute Taten belohnt wirst. Denn wenn du auf Belohnung hoffst, wirst du berechnend. Deshalb entledige dich deiner guten Taten als seien es alte Schuhe.

Insgesamt umfassen die zehn Sprüche den Umgang, mit Krankteit, mit Sorgen, und Schwierigkeiten, mit Behinderungen, mit Versuchungen, mit Problemen beim Planen von Dingen, mit Freundschaften,  mit Reaktionen auf Ungehorsam,  mit Erwartung von Gegenleistungen,  mit Teilen von Wohltaten,  mit Erleiden von Unrecht. Aber sie sind nicht allein Orientierungshilfe für Situationen des Alltags, sondern darüber hinaus sind sie für gläubige Buddhisten ein Weg, durch tägliches Meditieren des Textes u.a. zur wahren eigenen Identität zu finden.

Inzwischen hat das Tuch seinen Platz im Raum der Stille gefunden und ist dort für unsere Besucher aus Korea ein ganz besonderer Gruß aus ihrer Heimat!

Text und Fotos von Bärbel
Herzlicher Dank an die beiden Seeleuten der Silver Carla; an Dr. Barbara Wall, Jessica Hollmann und Christiane Schlegel, Uni Hamburg; sowie an Sung Köppen
Bericht von Olaf - 03.05.18