Ein rätselhafter Blick

BildImmer wieder, wenn ich hinter dem Biertresen im Klubraum arbeite, fällt mein Blick auf die gegenüberliegende Wand. Dort sind auf geniale Art und Weise Schätze aus aller Welt zu einem unvergleichlichen „Gesamt- kunstwerk“ arrangiert. Und wenn mal nicht viel zu tun ist, dringen von dort auch die Rufe aus der Kuckucksuhr in mein Bewusstsein. Nie aber habe ich bisher einen der Schätze als Einzelnen wahrgenommen, schon gar nicht den, der rechts außen im Dunklen hängt und von der Kuckucksuhr halb verdeckt wird. Erst das Blitzlicht meines Fotoapparates gibt Erhellung und lässt ein goldenes Licht auf das Gesicht fallen, das mich abschät- zend zu mustern scheint.
Wie so viele andere unserer Schätze hat auch diese Maske eine längere Reise über mehrere Stationen zurückgelegt, bis sie im DUCKDALBEN ihren Platz fand. Wir wissen, dass Kapitän Kurt Kolmann, der auf der Horn Linie fast aus- schließlich Bananendampfer fuhr, die Schnitzerei vor vielen Jahren aus einem kolumbianischen Hafenstädtchen mit- brachte, sie in sein Haus in Rissen hängte und sich daran bis zu seinem Tod Ende der 80er Jahre erfreute. Danach wurde die Maske an den Sohn einer Familie weiter gegeben, mit der sich der Kapitän bei einer Überfahrt angefreundet hatte. Damals war der Sohn 1 1?2 Jahre alt gewesen, inzwischen war er erwachsen und Arzt in einem Krankenhaus. Dort schmückte die Maske viele Jahre seine Ambulanzpraxis. Schließlich aber fand er, dass der DUCKDALBEN, mit dem er eng verbunden ist, ein passenderer Ort für die Maske sei. Zusammen damit übergab er uns ein kleines Bild, das Kapitän Kolmann mit Sextant auf der Steuerbordnogg zeigt. Dieses Foto hängt nun - verdeckt von anderen Schätzen - rechts an der Wand über den Telefonzellen in der großen Eingangshalle. Dass sein Bild einmal ausgerechnet dort hängen würde, hätte sich der Kapitän, der mit Religion nicht viel am Hut hatte, vermutlich niemals träumen lassen.
Was aber bedeutet der Blick, mit dem der Indio uns anschaut? Welches Geheimnis verbirgt er vor uns? Ich stelle mir vor, dass die drei Pfeile, die hinter ihm aus der Schnitzerei ragen, schon mit Curare Gift bestrichen und für seine drei ärgsten Feinde bestimmt waren. Er verschonte sie jedoch und grübelt heute noch immer darüber nach, ob er damals richtig gehandelt hat.

Geschrieben von Bärbel unter Mithilfe von Jan-Gerd Hagelstein

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