Klaus und Annette Kuhn sind Dekane in Bayern, aber für die beiden ist kein Weg zu weit, um zur Weihnachtszeit in den DUCKDALBEN zu fahren. Im Gepäck: 24 Taschen mit Geschenken für Seeleute.

Bestickte Schlummerkissen, warme Wollsocken, ein Weihnachtsbaum-to-go und vieles mehr… Das wartet in den 24 Geschenke-Taschen, die Annette und Klaus Kuhn kurz vor dem Weihnachtsfest von ihrem Schlitten hieven bzw. aus dem Kofferraum ihres VW Passats zaubern. Die Fahrt war lang. Vom bayerischen Heidenheim, wo die beiden zuhause und Dekane im Dekanat Heidenheim sind, sind es viele Kilometer bis zum international seamen´s club DUCKDALBEN. Doch auch hier im Seemannsclub ist die Reise der Taschen nicht zu Ende. Denn die beiden Kuhns machen es Maike Puchert, Leiterin der Bordbetreuung der Deutschen Seemannsmission in Hamburg, und ihrem Team so richtig schwer – im besten Sinne. Denn die Geschenktaschen müssen von Bayern an Bord. Heiligabend in der Früh machen sich daher Maike und viele andere auf, die ehrenamtlich praktische Nächstenliebe über die Gangways bringen wollen: Sie besuchen die Seeleute an Bord der Schiffe im Hamburger Hafen, die über die Festtage hier festgemacht haben und deren Crews nicht an Land gehen können.

An ganz normalen Tagen haben die Bordbetreuer Telefonkarten, Zeitungen in der Muttersprache oder Rat und Tag bei Krankheit oder Sorgen dabei. Heute kommen die Gaben aus Bayern dazu.

Dabei sind die Papiertüten nicht einfach nur Taschen voller Geschenke. In jeder von ihnen steckt ein Sack voll Herzblut. Alle Jahre wieder, scherzt Klaus, der Mann aus Bayern. Zum dritten Mal geht er auf große Fahrt nach Hamburg. Warum? Ganz einfach, sagt der Bayer. Einer meiner Söhne ist Seemann. Er ist gerade unterwegs zwischen Japan und China und Weihnachten also nicht bei uns zuhause.“

Geschenke zur See

Und weil die Kuhns praktische Leute sind und voller Güte auch weit über die Berge hinausschauen, haben sie die Sehnsucht nach ihrem Sohn praktisch an- und viele Geschenke eingepackt: „Viel von dem, was bei uns unter dem Weihnachtsbaum liegt, kommt über das Meer zu uns auf den Gabentisch. Viele Geschenke steckten erst in den Containern, bevor sie ihr Kleid aus Geschenkpapier bekommen. “, sagt Annette. Und viele Seeleute packen mit an, damit der Weihnachtsmann seinen Sack füllen kann mit Starwars-Spielfiguren, Handys, Spielkonsolen, Uhren, Bananen, Orangen, Nüssen, Öle für die Heizung, Stoffe für Schlipse, Wolle für Socken....

Weihnachtsmann braucht Seefahrt

Der Weihnachtsmann kommt zwar aus der Luft mit Rentier und Schlitten. Doch auch er ist kein Supermann. Er ist aber auf den Seeweg angewiesen, was Geschenke angeht. Das lässt sich auch Kindern erklären, ohne dem Weihnachtsmann seinen Charme zu rauben“, sagt Annette. Bei ihr laufen die Fäden zusammen, wenn etwa ältere Damen im Bayerischen ihre Stricknadeln für die Wollstrümpfe klappern lassen. Oder wenn die Kinder in der Kita bunte Engel malen, die jeder Geschenketüte ein eigenen Gesicht geben. Oder wenn sie Engelsfiguren ausschneiden, die von anderen Helfern aus Heidenheim ein Laminat-Kleid bekommen. Damit sie Waterkant-sicher und wetterfest sind. Denn die Kuhns denken eben praktisch: Das beste Beispiel: Der Weihnachtsbaum-to-go. Das Kuhn-Weihnachtsteam schnitzt aus Holz und verziert mit vielerlei Zierrat ein kleines, handtellergroßes Tannenbäumchen. Dieser steckt gegen den Strich in einem Papp-Inlett einer Klopapierrolle. Derart ummantelt erreicht der Bayerische Baum den Seemann. Zwei Finger fassen den Stamm des Bäumchens an, ziehen und flugs entfaltet sich die grüne Pracht des festlichen Bonsai-Bäumchens.

Text und Bild: Hergen Riedel
Bericht von Olaf - 22.12.17