Gruß aus Tuticorin

BildEine strohgedeckte Hütte, eine Palme, ringsum ruhige See: Auch wenn der Zahn der Zeit schon ein bisschen an dem Stroh geknabbert hat, lässt sich doch eine wahre Südseeidylle erahnen, begrenzt von einer fernen Bergkette. Das Bild atmet Stille. Eine Ranke mit Blättern und zarten Blüten bildet den Rahmen. Und was wie ein kräftiges Insekt oben links auf den ersten Blick so gar nicht dazu passen will, entpuppt sich beim genauen Hinsehen als ein guter Geist, eine Elfe.
Seit der Eröffnung des DUCKDALBENS im August 1986 haben rund 69 400 Seeleute aus Indien unseren Club besucht. Leider lässt sich heute nicht mehr feststellen, wann und von wem uns die Matte mit dem Bild in der Mitte geschenkt wurde, die im Billardraum gleich neben der Tür hängt. Aber deutlich ist zu lesen, dass uns dieses Geschenk von der Küste Südostindiens mitgebracht wurde, nämlich aus der Seemannsmission der Hafenstadt Tuticorin.
Tuticorin war schon vor mehr als 2000 Jahren bedeutende Hafenstadt. Neben dem Seehandel war die Perlenfischerei lange Zeit Haupterwerbsquelle der Bewohner. Portugiesische, niederländische und schließlich britische Kolonialmächte prägten die wechselvolle Geschichte der Stadt, die heute auch den tamilischen Namen Thoothukudi trägt. Der natürliche Hafen wurde – ähnlich wie der Hamburger Hafen - künstlich erweitert und ist heute viertgrößter Containerumschlagsplatz Indiens.
2011 wurde die Verbindung zwischen Tuticorin und Colombo mit Passagierfähren wieder aufgenommen. Seitdem wird geplant, die Meeresenge zwischen dem Festland und Sri Lanka auf einer Länge von 83,2 km zu einer Tiefwasserrinne auszubaggern. Damit würde eine ganzjährig befahrbare Seeroute um die Indische Halbinsel geschaffen. Aber – ähnlich wie bei der geplanten Elbvertiefung – müssen zunächst einmal viele Bedenken unterschiedlichster Art geklärt werden.
Einer von fünf indischen Seeleuten von der Lowlands Amstel, die kürzlich den DUCKDALBEN besuchten, stammt sogar aus Punnaikayal, einem kleinen Ort nahe Tuticorin. Zu dem Bild auf der Matte meinte er, dass darauf kein bestimmter Ort aus der Umgebung abgebildet sei, sondern eine idealisierte Landschaft. Möge dieses Bild bei allen Betrachtern Reisesehnsucht wecken und heimwehkranken Seeleuten ein kleiner Trost sein!

Geschrieben von Bärbel unter Mithilfe von fünf indischen Seeleuten der Rowlands Amstel

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