Wer im DUCKDALBEN im Clubraum vorne am Tresen sitzt und sein Bier trinkt, weiß vermutlich gar nicht, wie gut „behütet“ er an diesem Platz ist. Nur selten blickt jemand nach oben zu den verschiedenartigen Kopfbedeckungen, die dort an der Wand befestigt sind. Man nimmt sie kaum wahr, denn meistens fällt nur wenig Licht dorthin. Aber eines Tages bemerkte ein Seemann aus der Ukraine diese Ansammlung von Hüten, und ein Gedanke setzte sich in seinem Kopf fest und ließ ihn nicht mehr los.

Er kehrte aufs Schiff zurück, hatte dann Heimaturlaub und danach dauerte es noch eine ganze Weile, bis sein Schiff wieder den Hamburger Hafen anlief. Als er diesmal in den DUCKDALBEN kam, brachte er ein Geschenk mit, einen wahren Schatz. Der Seemann erzählte damals unserem Ehrenamtlichen Max, der 2009/10 FSJler im DUCKDALBEN war, dass sein Vater bei der sowjetischen Marine gedient hatte. Nun wünschte er sich, dass die Paradedienstkappe seines Vaters zu den anderen Kopfbedeckungen vorne am Tresen gehängt werden sollte. Seitdem hat sie dort ihren Platz gefunden.

Direkt unter der Paradedienstkappe zieht auf einer Druckplatte ein stattlicher Viermaster seine Bahn. Auch diese Druckplatte hängt mehr oder weniger im Dunkeln. Aber das Schiffsbild erweckte meine Neugier. Mit einem Vergrößerungsglas ließen sich auf dem Foto in der Mitte des Schiffsrumpfes die Schriftzeichen PY-07-02 erkennen. Vor Ort ergab sich dann mit Hilfe von Taschenlampe und Lupe, dass der Name am Bug in Kyrillischen Buchstaben geschrieben war: „Крузенште́рн“. Es handelt sich also um das russische Segelschulschiff „Kruzenshtern“, eine Viermaststahlbark, die heute nach dem deutsch-baltischen Kapitän und russischen Admiral Adam Johann von Krusenstern benannt ist.

Schon kurze Zeit später konnte Oleg, ein Seemann aus Sevastopol, eine noch offene Frage zu der Bootsbezeichnung klären. Die kyrillischen Buchstaben PY entsprechen unserer Schreib-weise RU und stehen für Russland. Bei 07-02 handelt es sich um eine Identifizierungsnummer.

So bleiben zum Schluss noch zwei Fragen offen:

Woher oder von wem stammt die Druckplatte mit der „Kruzenshtern“?
Ist es Zufall oder Absicht, dass die russische Paradedienstkappe gerade über der Bark „Kruzenshtern“ hängt?

Geschrieben von Bärbel unter Mithilfe von Max und Фолкер
Bericht von Marco - 03.12.15