Kamingespräch

Karsten Witt, neuer Chef der Wasserschutzpolizei, beim Kamingespräch im DUCKDALBEN

Nur der Schlips ist auf der Straße gleich

Der Kamin blieb aus. Denn es war ein lauer Maien-Abend, als Karsten Witt im DUCKDALBEN die Zuhörer damit überraschte, was alles zu den Aufgaben der Wasserschutzpolizei gehört – und warum die Kollegen von der Straße in der Öffentlichkeit anders „wegkommen“. Wenn der Peterwagen durch die
Straßen eilt oder die Kripo zum Tatort beschleunigt, saust das Blaulicht auf ́s Dach und die Staatsmacht zum Ort des Geschehens. Bei der Wasserschutzpolizei sei das naturgemäß anders. Dabei hat der oberste Wasserschützer Zurückhaltung nicht nötig. Denn:

Als er zur Tür hereinkam, wusste jeder: Das ist er, der neue oberste Freund und Helfer im Hamburger Hafen. Denn die Wasserschutzpolizei macht was her. Seemannsblaue Uniform, weißes Hemd, schicke Mütze mit weißem Deckel, goldfarbene Sterne auf den Schultern... Klar zu sehen: Die Hüter von Recht und Ordnung im maritimen Herzen Hamburgs sehen anders aus als Kollegen auf Streife oder in unauffälligen Dienstwagen. Nur die Krawatte blieb gleich, als Witt nach 35 Jahren von der Asphalt- auf die Wasserstraße wechselte. Hier hat er nun das Sagen, obwohl er selbst nie zur See fuhr. Das sei in einem modernen Hafen auch nicht mehr nötig, sagt der Chef von über 500 Beamten. Er ist ein Top-Manager in Sachen Sicherheit – im Hafen und um zu. Überall, wo angelandet, gelöscht und gelagert wird, auf der Elbe von der Mündung bei Cuxhaven bis zur Schleuse Geesthacht sind Witt und Kollegen die Hüter des Gesetzes. Doch wer denkt, die Wasserschutzpolizei sei nur für die „Gewährleistung der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf dem Wasser“ zuständig, irrt. Das Kürzel WSP ist knapp, die Aufgaben vielfältig. Die WSP hat nicht nur ein waches Auge auf böse Buben auf dem Wasser, eilt zu Schiffskollisionen, verfolgt Straftaten zu Lande oder checkt „blinde Passagiere“. Sie hat auch – und das ist nur in Hamburg so - grenzpolizeiliche Aufgaben: Etwa eine Million Menschen hatten es dabei 2015 mit den Wasserschutz-Polizisten zu tun. Ein ganz offenes Ohr hatte Witt daher, als es um die Ausweise geht, wenn Seeleute ihr Schiff verlassen und den DUCKDLABEN besuchen wollen.

9000 Schiffe wurden abgefertigt, 6000 kontrolliert. 4300 Gefahrgut-Container wurden in Augenschein genommen, ob etwa ein Container mit Gefahrtgut X neben dem mit Gefahrgut Y stehen darf und ob alle Vorschriften für den Transport gefährlicher Güter eingehalten werden. Und: Was kaum einer weiß, die Wasserschutzpolizei spürt im gesamten Stadtgebiet – zu Wasser und zu Land - Umweltsünder auf. Und nicht zu vergessen. Witt hat auch noch ein anderes „Anliegen“: Er ist Vorsitzender des "Jugendwerks unfallgeschädigter Kinder".

Text und Bild: Hergen Riedel