Eine provisorische offene Bühne vor einem niedrigen Berghang. Holzfeuer und Fackeln als Beleuchtung. Ein paar Musikanten, die Schlaginstrumente spielen. Zusätzlich einige Flötenspieler. Zwölf Schauspieler werden auftreten. Sie verkörpern rituelle Personen, männliche und weibliche. Zur Unterscheidung tragen sie Masken. Die Handlung des Stückes gliedert sich in vier Kategorien: Nach Vertreibung böser Geister am Spielbeginn folgen satirische Darstellungen aus den Bereichen Sakrales, Soziales und Familiäres. Das Spiel beginnt am Abend und dauert bis zum Tagesanbruch.

So etwa müssen wir uns Szenen eines Maskentanzspiels im 12. Jahrhundert vorstellen. Schauplatz ist das Dorf Hahoe im Südosten des heutigen Südkorea. Von den zwölf ursprünglich verwendeten Masken sind drei verloren gegangen. Die bis heute erhaltenen neun Masken gehören zum „National Treasure 121“ von Südkorea. Einige davon sind aus einem Stück geschnitzt, andere haben eine getrennte Kinnlade, die eine größere Ausdrucksweise ermöglicht. Bewegt der Tänzer den Kopf zurück, öffnen sich die Lippen und er scheint zu lächeln, hält er ihn nach vorn, schließen sie sich und er wirkt ärgerlich, ernst oder traurig.

Im April 1997 wurde dem DUCKDALBEN ein Rahmen mit kleinen Nachbildungen dieser Masken überreicht. Auf einem Schild ist eingraviert: „Presented from Kim Joon Sang, President, Korea Port Training Institute“.

In der oberen Reihe sehen wir von links nach rechts: Halmi, eine alte Frau/Witwe mit weit geöffneten, runden Augen und vielen Runzeln im Gesicht, Kakshi, eine Göttin oder Braut. Ihr geschlossener Mund und ihr nach unten gesenkter Blick deuten an, dass sie schüchtern ist und wenig redet. Ch´ora-nengi, Diener des Aristokraten, der sich schusselig oder unklug und ungefragt in fremde Angelegenheiten einmischt. In der mittleren Reihe: Chong, ein buddhistischer Mönch, gierig, lüstern, empfänglich für Bestechung; Meister im Nachäffen und im Possenspiel. Yangban, der Aristokrat, die Macht verkörpernd, mit geschlossenen Augen und starken Augenbrauen, über den häufig gespottet wird. Sonbi, Gelehrter, oft unzufrieden, voller Dünkel, der seine Zeitgenossen geringschätzt. In der unteren Reihe: Paekchong, der Schlachter, je nach Kopfhaltung der zweigeteilten Maske boshaft und übellaunig, aber auch unzurechnungsfähig und sogar wahnsinnig. Imae, die einzige Maske ohne Kinn; Diener des Sonbi, naiv, läppisch, tölpelhaft mit optimistischem Gesichtsausdruck. Pune, eine flirtende, junge Frau; sie tritt aber auch in der Rolle der professionellen Unterhalterin auf oder als Konkubine von Yangban. Die Masken von Ttoktari (alter Mann), Ch`ongkak (Junggeselle)und Pyolch`ae (Staatsdiener) sind nicht erhalten.

Bis heute findet sich die Tradition des Maskentanzspieles an verschiedenen Orten in Südkorea.

Text: Bärbel
Foto: Bärbel unter tatkräftiger Mithilfe von Lena, Paul und Monika Dorma
Bericht von Olaf - 10.11.18