Die Seeleute der „MV Ocean Cosmos“ schrieben ihre Namen und „OCEAN TWELVE“ auf das Geschenk, das sie uns zum Abschied überreichten. Es ähnelt einem Rettungsfloß, und tatsächlich waren der DUCKDALBEN und auch die Mitarbeiter vom ITF zu Rettern aus seelischer Not für die Mannschaft geworden. Bevor sie nämlich bei uns ankamen, hatten sie unvorstellbar qualvolle Wochen auf See verbracht, in denen sie ununterbrochen um ihr Leben bangen mussten.

Es begann schon mit einem Schaden beim Auslaufen in Australien, und das zunächst kleine Leck wurde zusehends größer. „Durch ein Loch im Schiffsrumpf gelangte mit der Antriebswelle Wasser in Massen in den Maschinenraum. Brusthoch standen die Seeleute im Wasser, wussten jede Sekunde ganz genau: Fallen die in der Not eingesetzten Pumpen aus, geht das Schiff in kürzester Zeit unter. Von der japanischen Reederei und der Schiffsführung wurden sie gezwungen, unter diesen Umständen 28 Tage von Australien um Afrika Richtung Europa zu fahren.“ Erst bei der Ankunft in Teneriffa konnten sie sich gegen die Weiterfahrt wehren und erreichten, dass das Leck an der Welle von Tauchern abgedichtet wurde. Mit Einsatz von Schleppern gelangte die Ocean Cosmos nach Dänemark, wo die Ladung gelöscht und das Schiff anschließend zur Reparatur zu Blohm & Voss nach Hamburg gebracht wurde.

Als die Besatzung bei uns eintraf, waren alle von der wochenlang ausgestandenen Todesangst völlig traumatisiert, und die Mannschaft vom DUCKDALBEN stand vor ihrer größten und schwierigsten Aufgabe und leistete ihnen von April bis Juni 2009 Hilfe ganz unterschiedlicher Art.

Es grenzt an ein Wunder, dass die Zwölf nicht Opfer des Ozeans geworden waren. Und wenn sie sich beim Abschied in Anlehnung an einen Filmtitel leicht ironisch als „OCEAN TWELVE“ bezeichneten, mag das ein Zeichen dafür sein, dass die Betreuung im DUCKDALBEN und durch den ITF ihnen geholfen hat, etwas Abstand zu den unsäglichen Geschehnissen an Bord zu gewinnen.

Geschrieben von Bärbel unter Mithilfe von Jan und Lars

Der Teil des Textes, der zwischen „“ steht,
wurde aus der Festschrift „25 Jahre DUCKDALBEN“ übernommen.
Bericht von Bärbel - 15.10.15