Seit 13 Jahren ist Klaus Vohland ehrenamtlicher Mitarbeiter im DUCKDALBEN. Und vor elf Jahren hat er seine Profession gewechselt. Er ist Santa Claus und Weihnachten bei jeder Bescherung im Club dabei.

„Alles echt“, nuschelt Klaus Vohland in seinen weißen Rauschebart. Denn die weiße Pracht an Kinn und Backen ist für den 77Jährigen noch etwas ungewohnt, so dass es hier und da noch etwas ziept. Warum das mit dem Bart so ist, sei ganz einfach, erklärt der ehrenamtliche Mitarbeiter des Hamburger international seamens´club DUCKDALBEN: Ich bin hier im Seemannsclub am Heiligen Abend Santa Claus. Und seit Sommer lasse ich die weiße Pracht wachsen.“ Und zum Beweis zupft er am weißen Backenhaar, ohne das kein rechter Weihnachtsmann auskommen kann. Und erst recht nicht die Seeleute, die im Hamburger Hafen über die Festtage festgemacht haben – und nicht zu Hause mit Frau und Kind feiern können. Jedes Jahr sind etwa 200 Seeleute im DUCKDALBEN. Manche von ihnen sind sieben, acht, neun Monate unterwegs, fern von Zuhause. Da ist der Aufenthalt im Seemannsclub mehr als nur ein Stop-Over: Er ist eine Heimat auf Zeit während der Festtage. Und die Seeleute kommen an. Sie freuen sich schon im Foyer des Clubs über eine fast sechs Meter hohe Weihnachtstanne staunen zu können – und am Abend im Saal das Fest zu feiern. Holy Night with the Duck: Dazu gehören die Andacht, ein klassisch geschmückter Tannenbaum, Geschenke, Essen …

Ökumene an Land und auf See

Und dazu gehört auch die Weihnachtsgeschichte. Und weil der Club das Wort „international“ im Namen hat, gibt es die Erzählungen im Neuen Testament zur Geburt Jesu von Nazareth auf Deutsch, aber auch in der Muttersprache mancher Seeleute. „Viele lesen selbst“. Die meisten von ihnen kommen von den Philippinen und sind katholischen Glaubens. Der Seemannsclub ist zwar von seinen Wurzeln her eine protestantische Einrichtung. Doch im Club sind alle - unabhängig von der Konfession – und nicht nur zu Weihnachten – willkommen. „ Wenn am Heiligabend indische oder chinesische Seeleute im Club sind, trinken sie vielleiht ihr Bier, freuen sich mit uns, aber halten sich fern vom Gottesdienst, weil sie das so wollen“, sagt Claus. „Weihnachten ist für alle da“. Willkommenskultur ist Sache des Glaubens – vieler Glaubensrichtungen. Der Club auch: Im „Raum der Stille“ oben, nah dem Himmel, der für alle gleich blau ist, finden Seeleute kleine Refugien für ihre Religion: Ein ruhiger Platz zum Beten. Für Juden, Moslems, Hindus und Buddhisten, Sikhs, Anhänger von Naturreligionen, Taoisten, Christen …

Bescherung

Wenn dann die Geschichte verlesen, die Lieder verklungen sind, ist die Zeit gekommen für Santa Claus. Er waltet seines Amtes, in roter Robe mit weißem Bart. Dabei ist Klaus nicht allein. Seit vielen, vielen Jahren steht ihm eine zauberhafte Elfe zur Seite. Rauschgold und weißer Taft auf der einen Seite, das weihnachtsmännische Rot auf der anderen Seite: Im Club ist der Weihnachtsmann ein Team. Privat heißt die Weihnachtselfe Swaanke und ist die Tochter von Anke Wibel, die zusammen mit Jan Oltmanns den Club leitet. Doch das muss eigentlich keiner wissen.

Jeder Seemann bekommt eine Tüte voller Geschenke. Kreative Kinderhände einer Buchholzer KiTa zaubern den einen oder andere gemalten Engel auf die Tüten. Spenden machen es möglich, dass sich der Seemann freuen kann: Dank einer Telefonkarte, kann er nach Hause telefonieren und sein Herz wärmen. , Handschuhe wärmen seine Hände. Orangen und Nüsse passen dazu. Und für die Lieben zu Haus kommt Klaus, the Santa Claus, bei vielen mit auf´s Bild. „Früher wurden noch richtige Fotos gemacht“, erinnert sich Klaus. „Heute sind es Selfies, mit denen ich am Heilig Abend digital auf die Philippinen oder anderswohin in die Welt reise.“

Vor dem Mast ist vor dem Fest

Ist dann das letzte Lied gesungen und die letzte Tüte neugierig aufgemacht – ist Zeit für eine kulinarische Besonderheit, die es so nur zum Fest im Club gibt: Indoor-Barbeque. Auf „deutsch“: Raclette. Mittenmang immer: Klaus, der Santa Claus. Er ist Familienmensch. Er erklärt, was das mit seinem Amt als Weihnachtsmann zu tun hat. Vor vielen kalten Wintern war Klaus nämlich Seemann. Er lernte als Moses, das ist eine Art Lehrling auf einem Handelsschiff, was bei einem Schiff vorn (Bug) und hinten heißt (Heck). „Ich lernte von der Pike auf, was es bedeutet, Seemann zu sein: Viele Monate Wasser, Wasser, das Blech der Container, hin und wieder einen Hafen, viel zu selten einen Seemannsclub“, schaut er zurück. „Ich bin lange vor dem Mast gefahren“. Für Menschen fern der Waterkant: Vor dem Mast, das war und ist auf traditionellen Schiffen der Ort, an dem die einfachen Crewmitglieder leben.


Santa Claus war Kapitän

Als Kapitän befuhr Klaus die sieben Meere und sah manchen Kai. Doch in der Heimat an der Elbe ist er allein. Er hat keine Familie. Darum hängt er irgendwann sein Patent an den Haken. Ein letztes Mal klappern seine Seemannsstiefel die Gangway herunter, um an Land Fuß zu fassen.- „Ich bin ein Familienmensch und wollte Frau und Kind“.- Das klappte. Doch heut sind die Kinder raus dem Haus und Klaus hat immer noch Seefahrt im Kopf. Und weil er weiß, dass viele Seeleute viele Monate auf See sind, kam er vor 13 Jahren schnurstaks in den Seemannsclub. Seither ist er hier einer von über 80 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die die Seeleute – nicht nur zur Weihnachtszeit – von den Terminals abholen, um ihnen für einige Stunden im DUCKDALBEN eine gute Zeit zu bescheren (auch das nicht nur zum Fest).

Santa Claus am Steuer

Bisher nahm Klaus noch jeden Dienstag das Steuer der Bullis in die Hand; dann fuhr er raus an den Burchardkai nach Altenwerder oder wo auch immer die Frachten gelöscht warten und Seeleute an Terminal warten. Jetzt fordern 77 Lenze ihren Tribut. Auch ein Weihnachts-Klaus muss es zuweilen langsamer angehen lassen. Jetzt sind es seine irdischen ehrenamtlichen Kollegen und „Bufdis“ (Bundesfreiwilligendienstler), die zu den Terminals fahren. Hier holen sie die Crews ab, damit Heimat auf Zeit - im Club - anzukommen. Am Steuer der Kleinbusse fuhren ehrenamtliche Mitarbeiter 2016 bei 17.081 Fahrten über 240.000 Kilometer. Fahrleistung seit Gründung des Clubs 1986: Über 4.300.000 Kilometer. Das sind fünf Hin- und Rückfahrten zum Mond.

Doch der Fahrdienst ist nicht alles. Weihnachten steht Bescherung in Klaus´ Dienstplan. Und seine Frau ist mit im Club. „Wir feiern zusammen im DUCKDALBEN.“ Im wahren Leben geht der Weihnachtsmann leer aus. Santa Claus im DUCKDALBEN bekommt an diesem Abend jedoch auch etwas: Wenn die Seeleute mich in den Arm nehmen oder wenn ich in ihre strahlenden Gesichter gucke, ist das ein Geschenk“. Doch so ganz wunschlos ist auch Klaus vom DUCKDALBEN nicht. Ich wünsche mir für das nächste Jahr „Friede auf Erden, Wohlgefallen und nicht dass, was heute oft auf der Welt passiert“.

Ihr möchtet noch mehr erfahren? Dann empfehlen wir euch einen Blick in das Interview mit Santa Claus zu werfen.

https://www.youtube.com/watch?v=Hm1zuVKJIC8
Bericht von Olaf - 22.12.17