Er ist merklich gealtert bei uns im DUCKDALBEN, der Jüngling Arjuna aus Java. Ein Grauschimmer liegt über dem strahlenden Weiß seines Gesichts, sein blütengeschmücktes Gewand hat an Leuchtkraft ver-loren und seine einst goldene Haut zeigt nun einen Kupferton. Aber er trägt alle Kennzeichen eines Edlen: Nasenrücken und Stirn verlaufen in einer geraden Linie, sein Auge ist schlitzförmig mit mandelförmiger Pupille, Kopf und Oberkörper sind nach vorn geneigt.
Als Sohn des Himmelsgottes Indra und der Königin Kunti ist Arjuna eine der wichtigsten Heldengestalten aus dem Epos Mahabharata und damit eine bedeutende Figur im javanischen Schattenspiel wayang kulit - Schatten aus Leder. Seine Haltung ist starr, nur die Arme können mit Stäben an Schulter und Ellenbogen bewegt werden. Sein überschlanker Körper aus Leder wird von einem kunstvoll geschwungenen Stab gehalten. Dieser beginnt dünn wie eine Nadel in der Lockenpracht der Frisur, verläuft leicht gebogen über Nacken und Körper zum nachgestellten Bein, nimmt dabei an Stärke zu und endet in einem spitz zulaufenden Griff.
Als Bühne für das Schattenspiel wird ein Rahmen mit einer bis zu 5 m breiten Leinwand aufge-stellt. Dahinter sitzen der Spieler, dalang, und das Gamelan Orchester. Über dem Platz des dalang befindet sich die einzige Lichtquelle. Vor ihm liegen zwei frische Bananenstämme, in die die Griffe der benötigten Schattenspielfiguren gesteckt werden - gute Charaktere meist rechts, weniger gute links. Die Zuschauer sitzen vor oder auch hinter der Leinwand. Das Spiel ist in drei Phasen gegliedert. Es dauert die ganze Nacht. Meist siegt am Ende das Gute.
Bereits in einem Gedicht aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts findet sich ein Hinweis auf das Schattenspiel. Der Dichter vergleicht darin die Figuren mit Menschen, deren Sinn nur auf weltliche Dinge gerichtet ist. Die Figuren führen ebenso wie diese Menschen auch nur ein Schat-tendasein.
Es lässt sich leider nicht mehr feststellen, wann und von wem uns die Figur des Arjuna geschenkt wurde. Aber gewiss ist, dass er bei uns im Billardraum kein Schattendasein führt.

Text und Foto: Bärbel Thomamüller
Bericht von Olaf - 10.11.18