(# 45) Superbe

BildAuf einem Balken zwischen Billardraum und Saal gleitet hoch über unseren Köpfen eine ganze Flotte von Segelschiffmodellen dahin. Die meisten stammen aus Nachlässen von Kapitänen und wurden dem DUCKDALBEN von Angehörigen überlassen. Eines von ihnen ist die Superbe. Sie hat 74 Kanonen und war damit im Original eines von 107 „Linienschiffen dritten Ranges“, die zwischen 1782 und 1813 für die französische Marine gebaut wurden. Diese Linienschiffe repräsentierten die Seemacht ihrer Nation, galten als Ausdruck ihrer wirtschaftlichen und technischen Stärke und spiegelten mit ihrem prächtigen Aussehen die Würde und Wichtigkeit ihres Monarchen wider. Die Superbe wurde nach Plänen des Schiffsarchitekten Jacques Noel Sane auf einer Werft in Brest gebaut. Ihre Maße betrugen: L: 55,9m, B: 14,5m, T: 7,5m. Ca. 3000 Bäume mussten dafür geschlagen werden. Bei ihrem Stapellauf 1784 war sie wohl das modernste und fortschrittlichste Kriegsschiff der damaligen Zeit.
Die Flagge unseres Modells zeigt ein Wappen, das aus der französischen Krone und einem Schild mit drei goldenen Lilien besteht, das zwei Engel tragen. Diese Flagge wurde nur gehisst, wenn sich der König an Bord des Schiffes befand. Jedoch fiel der Bau der Superbe in eine Zeit der politischen Unruhen, die 1789 zur Französischen Revolution und schließlich am 21.1.1793 zur Hinrichtung des Königs Ludwig XVI führten. Im Oktober 1790 gab es eine Meuterei des gesamten Geschwaders. Im September 1793 fand ein Aufstand an Bord der Superbe statt. Vermutlich waren die Ursachen dieser Vorkommnisse Stilllegungen von Werften, der vernachlässigte Zustand der Schiffe, mangelnde Proviantversorgung und unregelmäßige Soldzahlungen. Hinzu kam, dass der Großteil des adeligen Offizierskorps entlassen und durch weniger erfahrene Bürgerliche ersetzt worden war. Im Winter 1794 sollte trotz des schlechten Zustands der Schiffe ein Geschwader - darunter die Superbe - Munitionstransporte zwischen Brest und Toulon durchführen. Bei schweren Stürmen drang Wasser in die Superbe ein. So sank dieses prachtvolle Schiff am 31. Januar 1795 auf der Höhe von Brest. Von den etwa 700 Mann Besatzung konnten 21 nicht gerettet werden.
Dieser DUCKDALBEN „Schatz“ ist nicht nur besonders bemerkenswert. Er weist auch auf wenig bekannte Seiten der Französischen Revolution hin.

Text und Foto: Bärbel Thomamüller, unter Mithilfe von Holger

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