Ron van Cann, Fleet Director, BSM Bernhard Schulte Shipmanagement zum Gespräch im DUCKDALBEN.

Er trägt Anzug und Krawatte, auf seiner Visitenkarte steht „Ron van Cann, Fleet Director, Bernhard Schulte Shipmanagement“. Und er ist auch genauso schwer zu erreichen wie ein Top-Manager der maritimen Wirtschaft. Aber das war es dann auch schon mit dem Bild vom typischen Manager.

„Hi, ich bin Ron“. Und mit holländischem Charme kommt ein Chef in den Club, der so gar nicht ins Bild vom Business Man passt. Denn Ron – und beim Vornamen bleibt es– sagt von vornherein: Wir sind nur die Manager. Wir sind für die Leute da. Unsere Company ist nur so gut, wie alle Mitarbeiter sind, Manager aber auch die Mannschaft.“ Das heißt für Ron, den Manager: „Ich sage den Leuten, ihr könnt uns immer anrufen, wenn ihr Probleme habt. 24 Stunden am Tag. Und sie tun das auch". Mit "sie" meint Ron die Seeleute der Crews. Und Ron meint es ernst.

Zur Maritime Law Convention (MLC) sagt er deshalb auch so selbstverständlich wie es vielleicht nur ein Manager-zur-See sagen kann: „Find ich gut“. Doch dabei bleibt es nicht“. Ron findet das Seearbeitsübereinkommen nicht nur „gut“, neudeutsch: der Mann lebt das MLC. Das reicht von vermeintlichen Kleinigkeiten wie der Karaoke-Bar für philippinische Sänger unter den Seeleuten bis zur Achtsamkeit und Wertschätzung, wenn ein Seemann an Bord krank wird, die Frau in der Heimat Hilfe braucht… Dann kümmert sich sein Team… Es sendet Geld, sorgt für ein Handy am Krankenbett, spendiert ein Flugticket oder schickt der Frau Blumen in die Heimat, wenn sich der Ehemann bei der Ablösung auf dem Schiff verspätet

Die Manager am Vorsetzen müssen nicht nur die Sprache „ihrer“ Leute sprechen. Sie müssen auch wissen, dass die Arbeit an Bord eine andere ist. „Wenn Sie um 5 Uhr am Nachmittag jemand in einem x-beliebigen Office fragen, ob er noch zwei Stunden lange bleiben kann, hört man oft: geht nicht, ich muss mein Kind abholen. Auf einem Schiff stellt die Frage keiner.“ Ron weiß, wovon er spricht. Seine Eltern hatten eine kleine Spedition, er wollte zu Beginn Medizin studieren – aber auch reisen. Also zog es ihn von Holland hinaus auf See: „Seefahrt, das war damals auch etwas Besonderes, um die Welt zu sehen.“

Auf seiner ersten Reise 1978 tauschte er die Weite Hollands gegen die Enge eines Maschinenraums: „Es gab einmal die Woche Milch, und die Reederei bezahlte eine Briefmarke für die Post nach Hause“. Doch schon das nächste Schiff „war besser“ und Ron fuhr weiter: Auf Bullcarriern, Chemietankern, Öltankern, Kühlschiffen, Mehrzweckfrachter oder auf Tiertranportern, um Pferde von Argentinien oder 70.000 Schafe aus Adelaide abzuholen. Doch immer wieder unternahm der Holländer mehrjährige „Landgänge“. In Indonesien lernte er seine Frau kennen, in China baute er Schiffe, in Rumänien sanierte er einer Werft, und jetzt am Hamburger Vorsetzen ist er einer im weltweiten Shipmanagement-Team, das 584 Schiffe und 16.000 Seeleute betreut. „Ich versuche, einmal im Monat ein Schiff zu besuchen oder mitzufahren, um mit den Seeleuten zu reden und zu sehen, was sich ändert“. Auf den von BSM betreuten Schiffen soll eine „speak up policy“ für offene und klare Worte sorgen, sogar ein Beschwerdetelefon. „Am wichtigsten auf einem Schiff ist safety, aber dann kommt schon Kommunikation“, sagt Ron. Und wird nachdenklich. Da hat sich viel verändert. Früher waren die Crews enger beisammen und miteinander. Heute ist eine neue Generation am Ruder. „Sie schicken sich Emails an Bord“.


Bericht von Olaf - 15.03.17