Seemannsmission. Das klingt ja schon mal sehr gewichtig


Dabei missionieren wir doch gar nicht. Aber was machen wir denn dann eigentlich? Klar sind wir eine christliche Seemannsmission, doch es geht weniger um die christliche Religion an sich, als um religionsübergreifende Werte. Uns ist die Nächstenliebe sehr wichtig, die Wärme und das Gefühl zu vermitteln, dass da jemand ist, der einem hilft, ohne einen über den Tisch zu ziehen. Wir wollen eine Familie sein, obwohl viele Seeleute weit weg von zu Hause sind. Aber Schritt für Schritt.

Unser Seemannsclub DUCKDALBEN im Hamburger Hafen existiert seit nunmehr 30 Jahren um den vielen Seeleuten, die täglich im Hafen verweilen, 364 Tage im Jahr eine Möglichkeit zu bieten, ihre Freizeit mal abseits des Schiffes zu verbringen und sich etwas entspannen zu können.

Wieso das so wichtig ist?

Haben Sie denn schon einmal versucht an ihrem Arbeitsplatz mehrere Monate zu wohnen?
Das ist der Alltag eines Seemanns. Im Club haben wir Angebote, die auf dem Schiff nicht ohne weiteres verfügbar sind. Die Seeleute können mit ihren Familien in der Heimat ganz in Ruhe Kontakt aufnehmen, entweder über das Internet oder über unsere Telefone. Dazu gibt es Telefon- und Simkarten, ein kostenloses hauseigenes WLAN-System und einige Computer für Seeleute, die nicht über Laptops verfügen. Des Weiteren gibt es einen Shop. Hier kann jeder alles Mögliche für den alltäglichen Bedarf kaufen, von der Zahnpasta und anderen Hygieneartikeln, über Souvenirs bis hin zu Süßigkeiten und kleinen Snacks.

Doch in einem Club darf natürlich eines nicht fehlen: die Bar.
Was gibt es denn Schöneres als in Ruhe mit seinen Freunden, egal ob seit langem verbunden oder gerade erst kennengelernt, ein kaltes Bier zu trinken, oder ein Limonade, ein Glas Wein oder einfach nur ein wenig Wasser oder Kaffee. Dazu können ein paar Würstchen bestellt werden, damit auch für den kleinen Hunger gesorgt ist. Viele Seeleute ernähren mit ihrem Verdienst eine ganze Großfamilie daheim. Im Club wird ihnen geholfen, schnell, einfach und sicher Geld in die Heimat zu überweisen.

Die schon angesprochene Religion muss natürlich auch vertreten sein und das ist sie bei uns in einer ganz besonderen Art und Weise: unserem multireligiösen Raum. Hier finden sich alle Weltreligionen wieder und haben einen Altar, an dem die Gläubigen beten können. In einem großen Oval aufgestellt, symbolisieren diese kleinen "Tische" auch etwas sehr Wichtiges, die Verständigung und Zusammengehörigkeit der verschiedenen Religionen. Im großen Saal gibt es Billardtische, einen Kicker und eine Dartscheibe. Wenn man dazu keine Lust hat, ist es auch möglich, sich hinzusetzen, ein bisschen zu quatschen oder Musik zu machen, denn wir verfügen über ein Klavier einige Gitarren, sowie Trommeln und andere kleine Instrumente. Natürlich darf auch der Sport nicht zu kurz kommen. Hierfür ist mit Tischtennisplatten und einem Sportplatz gesorgt.

Für die ruhigeren Abende gibt es eine Bibliothek mit Kamin und wenn dann doch nochmal Stimmung aufkommt, nutzen viele Seeleute die Zeit, um ein wenig Karaoke zu singen. Bei der harten Arbeit, die die Seeleute verrichten, bleiben Verletzungen und Krankheiten nicht aus. Deshalb kommen jeden Montag ein Arzt und eine Schwester vorbei und beraten und untersuchen Seeleute, die Rat suchen. Natürlich kostenfrei, wie so vieles.

Wenn Sie sich nun fragen, warum soviel Aufwand für Seeleute betrieben wird, gibt es darauf eine ganz einfache Antwort. Das Leben eines Seemannes/einer Seefrau an Bord ist sehr schwer und sie arbeiten nicht nur für sich, sondern für uns alle, um unseren Konsum zu bedienen. Nicht nur, dass sie dort leben müssen, wo sie arbeiten, sondern auch, dass ein Schiff wie ein Gefängnis sein kann, aus dem sie möglicherweise für viele Monate nicht rauskommen, da die Liegezeiten in modernen Häfen oft nur wenige Stunden betragen. Außerdem gibt es überall auf der Welt Menschen, die den Seeleuten ihr hart verdientes Geld mit falschen Versprechen oder faulen Angeboten wieder aus der Tasche ziehen. Und das sind nicht nur ortsansässige Kriminelle. Immer mal wieder erleben wir Probleme mit Reederei oder Kapitänen und Offizieren. Auch dafür haben wir ein offenes Ohr. In enger Zusammenarbeit mit der ITF helfen wir bei rechtlichen Problemen, wie nicht ausgezahlter Heuer oder schlechten Bedingungen an Bord. Natürlich betrifft das längst nicht alle Reedereien und ohne die tatkräftige Unterstützung einiger von ihnen wäre unsere Arbeit so nicht möglich.

Aber auch die Seelsorge ist wichtig. Ob in vertraulichen Gesprächen, Hilfe bei Familienkonflikten oder bei Krankenhaus- und Gefängnisbesuchen: einfach nur zuhören. Es tut jedem gut, sich mal alles von der Seele zu reden und wir sind diejenigen, die dabeisitzen und zuhören, Mut machen und helfen. Wir versuchen, das Leben der Seeleute ein wenig zu erleichtern, ihnen weit weg von zu Hause ein kleines Stück Heimat zu bieten und sie wissen zu lassen, wir sind da, bei uns seid ihr gut aufgehoben! Und jeden Tag merken wir es wieder, wenn die unterschiedlichsten Menschen der verschiedensten Nationalitäten beieinander sitzen, erzählen und Spaß haben und das Gelächter und die gute Laune den ganzen Club füllen.