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 Hafenkapitän im Club 

Hafenkapitän im Club

 Hergen Riedel  Club  0  21.02.2023

...vor einigen Jahren war Simon Rosenkranz schon einmal im Seemannsclub DUCKDALBEN: Als Seemann. Jetzt kam er zurück. Als Hafenkapitän.

Stolz schreibt Landau, dass ein Sohn der Stadt "das Sagen in Deutschlands größtem Hafen" hat. Denn: Der gebürtige Landauer Simon Rosenkranz ist seit Juni 2022 Hamburger Hafenkapitän. Landaus Oberbürgermeister Thomas Hirsch gratulierte. Es sei immer schön zu sehen, wenn Töchter und Söhne der Stadt Landau Spuren hinterließen ? ob zuhause in der Südpfalz oder in der großen weiten Welt.

Landaus Chef hat Recht mit "große weite Welt". Denn Rosenkranz fuhr sieben Jahre an Bord von Mehrzweckfrachtern und Kühlcontainerschiffen über die Meere, meist nach Südamerika. Parallel absolvierte er seinen Master in Wirtschaftsrecht, war Risikomanager bei Hapag-Lloyd und später nautischer Berater in London. "Als Hafenkapitän spüre ich nicht nur das Herz Hamburgs, sondern kann es auch schneller schlagen lassen. Es macht glücklicher, wenn ich als Hafenkapitän die Dinge in die Zukunft steuern kann, als Schäden an Schiffen zu regulieren", sagt er im Club. "Ich bin nur ein Teil im Team".

Dabei versteckt sich hinter dem Unterstatement DIE zentrale Aufgabe im Hafen. Zu Rosenkranz´ Beritt gehören neben der Nautischen Zentrale die drei Hafenämter sowie die Abteilungen Grund-satzangelegenheiten und Hafensicherheit. Er koordiniert den Schiffsverkehr im Hafen, sorgt für Sicherheit, erteilt schifffahrtspolizeiliche Genehmigungen, nimmt Prüfungen von Schlepperkapitänen ab, kontrolliert Wasserbaustellen. Dazu kommen: Hafengeburtstag und Cruise Days.

Als Hafenkapitän hat er es nicht nur mit dem maritimen Business as usual zu tun, wenn es um Lotsen, Schlepper oder Liegezeiten geht. Er hat auch die Entwicklung im Blick: den Ausbau des Hafens, neue Kaianlagen, alte Schuppen, Hafenvertiefung und neue Hafenbecken, um konkurrenz-fähig zu bleiben. Das heißt: Simon Rosenkranz muss stets "vor der Welle", also gut unterrichtet sein, wenn es um aktuelle Fragen zur Köhlbrandbrücke, zu immer größer werdenden Schiffen, zur Hafenerweiterung oder zu Engpässen an Terminals, LNG, Landstrom, Lärmbeschwerden aus der Hafencity oder den vom Senat gewünschten Zustrom von Kreuzfahrtschiffen geht. Der Platz für Hafen wird eng. Rosenkranz lacht: "Wir haben ja noch Hyperloops und Drohnen".

Geht´s um Zukunft, meint Hamburg meist Hafenlogistik. Im Seemannsclub geht´s um Crews und deren Bedürfnisse. Simon Rosenkranz erfährt etwa, wie Club-Mitarbeitende die zur Corona-Zeit gestrandeten Kiribati-Seeleute in einer Jugendherberge betreut haben. Er hört, wie aktiv der Club gemeinsam mit dem Havarie-Kommando auf den Kreuzfahrtschiffen war, die Corona vor Cuxhaven festhielt. Er fragt nach, wenn es um neue Aufgaben der Seemannsmission, etwa der Psychosozialen Notfallversorgung, geht.

Und er wundert sich über die freiwillige Schiffsabgabe von 0,2 Cent pro Passagier, mit der Kreuz-fahrtschiffe die Seemannsmission "unterstützen" oder darüber, was Frachtschiffe für die soziale Club-Arbeit abgeben. Die Frage: Warum wird die Abgabe nicht erhöht ? und das "freiwillig" gestrichen Wenn ein Anlauf z.T. mehrere Hunderttausend Euro pro Schiff koste, müsse doch mehr für die Seemannsmission drin sein. Denn die sorge für die "soziale Komponente" im Hafen? und erbringe einen "Mehrwert" für Sicherheit und Zufriedenheit auf Schiffen. Die Abgabe könnte Entgelt genannt und verbindlich werden wie bei Schleppern. "Freiwilligkeit ist gut, aber Institutionen wie der Seemannsclub brauchen Planbarkeit."

Simon Rosenkranz in Wochenblatt.report.de: "Schifffahrt bedeutet eine hohe Wertschöpfung sowie Freiheit und Unabhängigkeit, was sich aktuell an den internationalen Handelsbeziehungen zeigt. Sie macht eben nicht abhängig wie der Verlauf einer Pipeline". "Die Arbeit auf Schiffen mit internationalen Besatzungen aus unterschiedlichsten Berufsfeldern schweißt zusammen und bringt Menschen hervor, die Integration nicht nur ideologisch gutheißen, sondern leben."